Bei den Details aus den GRUENZEUX-Garten hatte ich sie schon kurz vorgestellt, heute möchte ich euch die "Gefährlichste aller Pflanzen" noch ein bisschen näher bringen: Sempervirus, äh Sempervivum! Einmal angefangen, kommt man von dieser Staude nicht mehr weg. Sempervivum macht absolut süchtig und das Schöne dabei: keinerlei Nebenwirkungen! Immer wieder aus Neue fasziert mich die perfekte Symetrie und ...

... Eleganz dieser Pflanze. Man kann sich stundenlang die einzelnen Rosetten anschauen und entdeckt dabei immer wieder neue Details und Besonderheiten der vielen Sorten.
Die Sorte "Mrs. Giuseppi" beispielsweise ist eine Variante der botanischen Sempervivum calcareum - einer Art, die in den Südwestlichen Alpen Italiens und Frankkreichs vorkommt. Typisch sind die dunkelpurpurbraunen Spitzen der Rosetten...
Mrs. Giuseppi ist weit verbreitet, sehr gut wüchsig und füllt im GRUENZEUX-Garten auch gerne Mauerritzen und Pflasterfugen. Ebenfalls ein Klassiker ist die Sorte "Pilatus"...
... die 1967 von dem Schweizer Jakob Eschmann gezüchtet wurde. Besonders schön ist hier die Bewimperung der dunkelbraunen Rosetten.
Aber nicht nur die unendliche Formen- und Farbenvielfalt finde ich interessant, auch die Fortpflanzung der Hauswurze ist ausgesprochen spannend! Zum einen vermehren sich die Hauswurze generativ über Blüten und Samen. Dabei entstehen viele Zufallsprodukte, denn die Art kreuzt sich gerne untereinander. Den Züchter freut's - so entstehen immer wieder neue Sorten durch gezielte Kreuzung bestimmter Eltern-Wurze.
Dank der vegetativen Vermehrung durch "Kindel" erhalten die Hauswurze recht einfach sortenechten Nachwuchs: Im Bild eine "Pacific Shadows" ...
... mit unter den unteren Blättern hervorschauenden Kindeln. Bei der Sorte "Rubin" entspringen die Kindel auch aus den mittleren Blattachsen...
Und wieder anders der Nachwuchs von Jovibarba arenaria...
...hier hängen die Kindel nur an einem dünnen Faden und kullern schon bald auf das Substrat. Sehr schnell bilden sie dort neue Wurzeln. Einen interessanten Beitrag zur Vermehrung der Hauswurze findet ihr auch im Blog von majoRahn.
Knapp 300 Hauswurz-Sorten haben mittlerweile eine Unterkunft im GRUENZEUX-Garten. Ein Großteil "wohnt" noch in 9x9-Vierkanttöpfen, die ich auf der Kiesfläche des Obstgartens aufgestellt habe.
Langfristig sollen sie alle in größere Töpfe umziehen ...
...sowie hier in die Schalen und Töpfe aus tunesischem Terracotta. Diese sind bislang absolut winterfest - zugegebenermaßen auch erst einen Winter :-).
Auch denke ich gerade über eine Alternative zur Kiesfläche im Obstgarten nach, denn a) wird es da langsam zu eng und b) muss man sich ständig bücken. Daher kreist schon eine Weile die Idee eines Senkgartens durch meine Hirnwindungen. Hochstrategisch veranlagt, werde ich gegenüber meinem Götterweib schon seit geraumer Zeit nicht müde, die postiven Faktoren eines tiefer gelegten Gartenbereiches zu betonen. Um so mehr verzückt mich der positive Zuspruch: Entweder konnte ich sie wirklich von der Sinnhaftigkeit einer abgesenkten Fläche überzeugen oder ihre zaghafte Zustimmung ist reine Resignation. Egal: Jetzt können Pläne gezeichnet und Ideen entwickelt und natürlich erst einmal wieder verworfen werden! Und im nächsten Frühjahr soll er dann fertig sein, ich werde jedenfalls berichten. Zuvor jedoch noch ein paar Bilder ...
... hier von einem Kultivar namens "Ford's Giant". Ganz deutlich ist hier das "Blut" einer Spinnenwebhauswurz (Sempervivum arachnoideum) zu erkennen, die Rosetten sind mit einem feinen Flaum aus "Spinnenweben" überzogen. Fast schon ein bisschen unwirklich sieht dagegen die Sorte "Plastic" aus.
Die Blätter dieser hübschen grünen Sorte sind prall und fleischig und wirken fast ein wenig, ja, eben wie Plastik. Eine tolle Sorte des Amerikaners Edward Skrocki aus dem Jahr 1990! Ein perfektes Farbenspiel von orange bis grün bietet ...
... "Drama Girl", ein Kultivar von André Smits aus dem Jahr 1992. Der belgische Züchter hat eine Vielzahl von schönen und gut wüchsigen Sorten hervorgebracht. Von einem deutschen Züchter ist die Sorte...
... "Dr. Fritz Köhlein". 2004 hat Volkmar Schara diese Pflanze nach dem Buchautor und Sempervivumkenner Dr. h. c. Fritz Köhlein benannt. Köhlein hat sehr tolle Bücher über Iris, Saxifragen, Primeln, Nelken, Hosta, Enziane, Glockenblumen, Freilandsukkulenten sowie Viola veröffentlicht. Die Universität Bayreuth ehrte den Hobbygärtner (!) mit der Ehrendoktorwürde.
Und so könnte man zu jeder Sorte eine Geschichte erzählen...
Am meisten faszinieren mich jedoch die unbegrenzten Möglichkeiten in der Verwendung von Semperviven, daher zum Schluss noch ein paar Bilder. Hier wachsen verschiedene Hauswurze in Terracotta-Schalen auf dem Dach des Schuppens...
... sowie in einem kleinen, selbst geschnitzten Trog aus Sandstein ...
... mit zwei "No-name"-Sorten, die aber ausgesprochen wüchsig sind! Gut angewachsen ist mittlerweile der alte Mülltonnendeckel...
... sowie der rustikale Wäschestampfer ...
... und die "Topflappen-Hauswurz".
Viele Grüße aus dem GRUENZEUX-Garten und bis demnächst...